E-Mail an Raphi


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08.03.2007 - Hamburg - Fazit
26.02.2007 - Rio de Janeiro - Allgemein
23.02.2007 - Rio de Janeiro - Daytrips
21.02.2007 - Rio de Janeiro - Ankunft
15.02.2007 - Buenos Aires
12.02.2007 - Santiago de Chile
12.02.2007 - Sydney - Rückblick
09.02.2007 - Sydney - Party
05.02.2007 - Sydney - Ankunft
02.02.2007 - Bali - Rafting und Tauchen
29.01.2007 - Bali - Surfen
26.01.2007 - Hong Kong
24.01.2007 - Der Weg nach Hong Kong
20.01.2007 - Koh Phi-Phi - Tauchen
18.01.2007 - Koh Phi-Phi - Allgemein
17.01.2007 - Fahrt nach Koh Phi-Phi
16.01.2007 - Phuket - Patong Beach
15.01.2007 - Koh Pha-Ngan - Hat Yuan
13.01.2007 - Koh Pha-Ngan - Fischen
12.01.2007 - Koh Pha-Ngan - Allgemein
10.01.2007 - Koh Samui
07.01.2007 - Fahrt nach Koh Samui
06.01.2007 - Bangkok
04.01.2007 - Bangkok
03.01.2007 - Flug nach Bangkok
01.01.2007 - Hamburg
03.12.2006 - Hamburg
02.12.2006 - Der Reiseplan


 
 

08.03.2007 - Hamburg - Fazit
Die Gedanken nach der Reise

 
 
   
 

Kurzes Fazit:

Eine kompakte Reise, die mir viel gebracht hat. Freunde, Erfahrungen, und einen besseren Überblick über diese Welt. Die Reise war bestimmt mehr Wert als sie gekostet hat. Vielleicht unbezahlbar. Es hat sich gelohnt das alleine durch zu ziehen. Ich fühle mich älter und jünger gleichzeitig. Frischer und weiser trifft es
vielleicht besser. Und stärker.


Langes Fazit:

Andauernd werde ich gefragt ob ich mich denn schon wieder eingelebt habe. Ehrlich gesagt: Das geht so schnell, dass ich nachdem ich das Wasser und den Strom in meiner Wohnung wieder aufgedreht habe, zuhause war. Wenn man alle paar Tage das Land wechselt, ist der Wechsel zurück nach Deutschland auch nichts anderes. Nur ist es hier viel kälter als in den anderen Ländern. Dafür hat man aber ein eigenes Bett, eine Heizung und eine gemütliche Couch. Das hat auch Vorteile. Ich weiß, das lernt man erst zu schätzen wenn man sich zwei Monate lang jeden Tag vom Wetter durchschwitzen lässt, selbst das Bettlaken als Decke zu warm ist und man täglich zwei bis drei Mal duschen geht. Vielleicht versuche ich auch nur mir die Vorteile vor Augen zu führen. Es ist aber auch ein großer Vorteil aus Deutschland zu kommen. Oder aus einem reichen Land. Denn in Thailand, Indonesien und Südamerika kann selbst die Verkäuferin von Aldi mal einen auf dicke Hose machen. Wenn man das denn will. Einige Idioten in Thailand denken tatsächlich sie sind jetzt der Chef von allem. Und zwei Wochen später geht’s zurück in den Wohnblock im 10ten Stock und ab an die Maschine. Die Länder sind einfach im Vergleich zu Deutschland sehr günstig. Da soll man sich doch freuen, dass wir in so einem reichen Land wohnen. Wer hier normal verdient, ist dort saureich. Wenn man den Durchschnittslohn von Thailand mit dem deutschen Durchschnittslohn vergleicht und dieses Verhältnis auf Deutschland anwendet, dann müsste man sich vorstellen es kommen Ausländer in unser Land, die im Schnitt 30.000 Euro Netto verdienen. Und denen ist es auch mal scheißegal wenn sie mal eben 500 Euro zuviel für irgendwas gezahlt haben. So ist für diese Leute halt alles super günstig. Und so ist es auch verständlich, dass man versucht denen ein paar hunderter mehr aus der Tasche zu ziehen. Wie auch immer. Stört die ja nicht.

Ja, und jetzt sitze ich hier in Hamburg mit Blick auf kahle Bäume, graue Wolken und finde das eigentlich ganz normal. Nur ist die Vorstellung seltsam, dass die Leute im Hostel in Rio sich wahrscheinlich gerade über eine Abkühlung im Atlantik freuen. Was auf dieser Welt so alles passiert, während Deutschland sich im Winterschlaf befindet. Diese Welt ist voll mit tollen Orten, Stränden, netten Menschen, vielen Partys und einfach mit Leben. Und das war vielleicht auch einer meiner Gründe diese Reise. Denn zurzeit ist hier in Hamburg nicht viel los. Das hat neben dem Wetter sicher auch damit zu tun, dass fast alle meine Freunde Freundinnen haben und die Freundinnen entweder selber keine Freunde haben, diese nicht mitbringen oder die Zeit mit ihrem Freund isoliert verbringen. So wird der Freundeskreis nicht erweitert, sondern verkleinert. Und die Aktivität, das Leben, sinkt auf einen Tiefpunkt. Langeweile ist die Folge.. Pärchenabende.. vorm Fernseher abhängen: Das Leben verpennen. Nicht, dass ich nicht auch auf entspannte Abende stehe. Aber ich will mehr leben. Und wenn man weiß, dass es auf dieser Erde so ein Paradies wie Thailand mit bestem Wetter und lustigen Leuten gibt, während hier alle auf der Couch einnicken, dann will ich dahin. Das war jedenfalls ein Grund.

Ein weiterer Grund für die Reise war natürlich der Winter. Ich denke der Januar und der Februar sind die langweiligsten Monate in Deutschland. Die Temperatur ist am kältesten und es gibt keine Events oder irgendwelche Feiertage etc. So hat der Dezember ja noch Weihnachten und Sylvester. Der Januar und Februar sind einfach tot. Ab März geht es Temperaturentechnisch wieder bergauf. Und so sind diese beiden Monate einfach Ideal um die langweiligste Zeit des Jahres mit Sonne und Leben aufzufüllen.

Und natürlich habe ich auch die Reise angetreten um neue Länder kennen zu lernen. Wenn man die Antarktis mal vernachlässigt, war ich jetzt auf allen Kontinenten dieser Welt. Mein Pass sieht aus wie ein Bilderbuch. Vollgestempelt und mit Visa beklebt. Und in meinem Kopf wächst das Bild einer großen Welt, die nicht mehr so Fremd wie vorher ist. Man lernt so viel über die Menschen, die Zusammenhänge der Länder und Kulturen und Sprachen. Man bekommt einfach ein viel klareres Bild über diese Welt. Zusätzlich ist es irgendwie ein lustiges Gefühl zu wissen, dass man tatsächlich einmal um die Welt geflogen ist. Und es stimmt: Die Erde ist eine Kugel!

Zwei Dinge hat mir diese Reise aber besonders deutlich gemacht.

1. Die Erkenntnis warum die Zeit mit dem Alter schneller zu vergehen scheint.
Ganz einfach, weil der Alltag sich von den anderen Tagen kaum unterscheidet. So arbeitet man zwei Monate lang und fragt sich: „Man, das Jahr hat doch gerade erst begonnen“. Und da reist man zwei Monate und fragt sich: „Man, Sylvester, das ist doch schon ewig her“.  Je unterschiedlicher die Tage sind und je mehr neues man in den Tagen erlebt umso länger erscheint einem die Zeit. Ich kann mich noch dran erinnern, dass mir vier Tage in Thailand wie zwei Wochen vorkamen. Jeder Tag war so anders, lustig, interessant und jeden Tag habe ich neue Leute kennen gelernt und die Tage und Nächte mit verschiedenen Leuten verbracht. Vier Arbeitstage im Rückblick sind halt wie vier Arbeitstage. Denken, Tippen, Denken, Tippen.. 10 Std. lang am gleichen Tisch im gleichen Stuhl. Abends dann eine kleine Variation: Essen kochen, bestellen oder essen gehen. Mit Freunden oder Freundin treffen oder früh ins Bett. Wem sein Leben zu schnell vergeht, sollte etwas ändern. Den Job, die Stadt, die Freundin, die Wohnung, das Land oder was auch immer. Oder Reisen gehen.

Ein Konflikt bleibt bei mir im Kopf. Jetzt arbeiten und im Alter leben oder jetzt leben. Oder ein Kompromiss? Der typische Ansatz lautet: Arbeiten und fürs Alter sparen. Mit 67 geht’s in die Rente und dann darf man sich den Rest seines Lebens mit seinen Gartenzwergen unterhalten. Eigentlich müsste das andersrum sein. Erst leben und dann arbeiten. Geht nur schlecht ohne Geld. Man müsste das Rentensystem ändern. Aber wer will noch in Deutschland arbeiten wenn man diese ganzen anderen Länder gesehen hat? Ok, und wenn es nach der Presse und den Politikern geht, sollen wir ja eh nur noch in Deutschland Urlaub machen. Wegen dem Klimaschutz.. Oh jee, da muss ich mir jetzt wohl nach meinen knapp 40.000 Flugmeilen einen Strandkorb in Timmendorf kaufen..

2. Alleine reisen.
Auch wenn ich nicht oft und besonders nie lange alleine war, ist es eine sehr gute Erfahrung gewesen alleine zu reisen. In Hamburg war ich nie alleine was trinken, essen oder auch nur alleine am Elbstrand. Ich fühlte mich immer total doof dabei und ich dachte, dass alle Leute mich beobachten und denken, was er denn für ein komischer einsamer Typ sei. Aber das ist echt nur eine Einstellungssache. Ich bin was das angeht jetzt eine ganze Ecke entspannter geworden. Und ich war auch ein paar Mal alleine in einem Pub. Und alleine war ich nie länger als ein paar Minuten. Irgendwann habe ich mich sogar gefreut alleine zu sein. Jede Entscheidung selber zu treffen zu können und einfach das machen zu können wo man Lust drauf hat. Am Anfang dachte ich noch oft wie cool es wäre wenn jetzt ein paar meiner Freunde hier wären. Wie viel lustiger alles wäre. Aber das darf man nicht denken. Die Freunde sind halt nicht da und es gibt tausend andere Leute die man kennen lernen kann. So habe ich teilweise total vergessen, dass ich eigentlich alleine Reise, da ich an einigen Orten so viele Menschen kennen gelernt habe. Man merkt es erst dann wieder, wenn der nächste Flug näher rückt oder andere den Ort verlassen.
Alleine reisen ist anders als mit einem oder mehreren Freunden zu reisen. Ob es besser ist würde ich nicht sagen. Aber es ist auch nicht schlechter. Es ist anders, es ist eine gute Erfahrung und es macht stärker.

Noch ein Wort zu diesem Land. Eigentlich kenne ich dieses Gefühl ja schon. Denn als ich aus Australien wieder kam, war es genauso. Deutschland ist anders. Anders als die Länder in denen ich war. Irgendwie mögen sich die Menschen hier nicht so gern. Und es wird kaum miteinander geredet. Ein gutes Beispiel ist der Autoverkehr. Na klar, der deutsche Autoverkehr läuft nach Regeln. Hier fahren die Leute auf ihren Spuren und halten bei Rot an. Aber was hier auffällt ist dieses gegenseitige Anscheißen beim Autofahren. Während überall wo ich war die Hupe nett benutzt wird um zu sagen: „Achtung ich fahr jetzt an dir vorbei, bleib besser wo du bist.“, wird hier die Hupe benutzt um zu sagen: „Du Spacken, was machst du da?!“. Typisch für die deutsche Schulmeisterei. Das war mir jedenfalls etwas Fremd als ich wiederkam. Aber so ist das hier nun mal.
Die Leute in anderen Ländern beneiden uns dafür, dass wir aus Deutschland kommen. Also freut euch und heult nicht so viel rum. Uns geht es saugut. Im Vergleich zu anderen Ländern sind wir so reich. Und dann schaltet man den Fernseher ein und sieht Hartz4 Empfänger, die sich beschweren, dass sie zuwenig Geld bekommen. Hallo?! Merkt ihr noch irgendwas? In anderen Ländern vergammelt den Menschen das Gebiss, weil sie kein Geld für den Arzt haben und ihr sitzt den ganzen Tag auf der Couch vor eurem neuen Fernseher und die Wohnung, die ärztliche Versorgung und euer Taschengeld zahlt der Staat. Da merkt man echt, dass wir in einem reichen Land leben. Rumheulen auf höchstem Niveau.

Na ja, und jetzt bin ich wieder hier. In meinem Heimatland. Ich würde gerne wissen, was ich von diesem Land denken würde, wäre ich zum ersten mal als Tourist hier. Ich glaube nicht, dass ich sagen würde: "Hamburg, das ist die beste Stadt der Welt. Hier will ich wohnen." Dadurch, dass Freunde, Familie und meine Jobs hier sind, ist es natürlich ein vertrauter Ort wo man sich wohlfühlt. Obwohl ich das alles in Sydney nicht habe, ist diese Stadt so nett zu einem. Der Einstieg in das Leben dort wird einem einfach so leicht gemacht. Ich glaube Hamburg ohne Freunde wäre echt kalt. Aber hier sind ja meine Freunde und das macht diesen Ort auch so liebenswert. Ganz abgesehen davon, dass Hamburg ja auch die schönste Stadt Deutschlands ist.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. Das Tagebuch ist hiermit offiziell beendet. Mir hat es super viel Spaß gebracht zu berichten und ich hoffe ihr habt auch gerne einen Blick auf diese Seite geworfen. Ich freue mich, dass ich das durchgezogen habe, denn nun habe ich auch eine tolle Erinnerung an diese einzigartige Zeit.

Bis zum nächsten Trip, Raphael ;)

 

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