| |
Na, da habe ich mir aber lange Zeit gelassen um mal wieder was für mein Tagebuch zu schreiben. Aber es war auch fast unmöglich. In einem 10-Bett-Zimmer in einem Hostel während des Karnevals zu wohnen, ist einfach eine anstrengende Sache.
Als ich in Rio am Flughafen ankam, brauchte ich erstmal Geld in der Landeswährung. Klar. Wie immer. Schnell das verbliebene Geld aus dem vorherigen Land wechseln oder neues am ATM (Geldautomat) ziehen. Aber irgendwie wollten die mein restliches Geld nicht. Und meine Maestro oder auch EC-Karte genannt, funktionierte nicht. So habe ich am Airport sämtliche Geldautomaten abgeklappert. Keine Chance. Zum Glück konnte ich durch ein aufwändiges Verfahren in der Bank Geld über meine Visa-Karte bekommen. So stand ich dann nach 1,5 Stunden auf der Suche nach Geld in der Bank am Flughafen und habe das Licht am Ende des Tunnels gesehen. Und als ich da so gestresst mit meinen 20 Kg Rucksack am Schalter in der Schlange stand, ruft Daniel aus Bonn an. 14 Uhr in Deutschland, Daniel und Oli schreien hochprozentig ins Telefon. Klar, es ist ja auch Karneval in Deutschland. Da dachte ich kurzzeitig, warum tust du dir diesen Stress eigentlich an. Jedenfalls kam ich dann endlich zu Geld. Das erste mal, dass ich dieses Problem hatte. Und das erste Mal habe ich darüber nachgedacht, was ich wohl ohne Geld in dieser Stadt gemacht hätte..
Ab in den Bus und ab zur Copacabana in mein 4-Sterne Hotel mit Pool auf dem Dach. Ja, STA-Travel hatte ende November kein Hotel mehr zur Verfügung. Alles ausgebucht. Das Einzige was ich noch buchen konnte war dieses Hotel. Und bevor ich in Rio ankomme und gar nichts habe, dachte ich, so habe ich wenigstens schon mal ein Ort zum pennen. Und das war auch gut. So habe ich zwei Tage erstmal entspannt. Denn in den letzten vier Tagen war ich in vier verschiedenen Ländern. Mit Neuseeland sogar fünf. Teilweise musste ich echt überlegen in welchem Land ich gerade bin, wie die Währung heißt und wie überhaupt der Wechselkurs ist. Auch wenn der Karneval eigentlich schon am Freitag losging, habe ich einen ruhigen Abend verbracht. Und das war auch gut so. Denn die nächsten Tage sollten nicht so ruhig bleiben.
Am Samstag ging es dann ins Hostel. In ein stinkiges 10-Bett-Zimmer. Was für ein Unterschied. Aber es gibt in Hostels einen riesigen Vorteil: Man lernt sofort Leute kennen. In den zwei Tagen im Hotel habe ich niemanden kennen gelernt. Im Hostel habe ich in den ersten Tagen fast alle kennen gelernt. Und das Hostel ist ausgebucht. Die meisten Leute haben das Hostel schon im Frühjahr letzten Jahres gebucht. Ich hatte wohl echt Glück mit meiner Buchung im Dezember. Und die Preise für das 6 Tage Karnevalspaket sind echt happig. Ca. 300,- Euro. Für ein Bett in einem 10-Bett-Zimmer! Aber das Hostel ist ganz cool. Es ist ca. 100 Meter vom Strand entfernt, liegt direkt in Ipanema, dem besseren der beiden großen Strände von Rio (Copacabana und Ipanema) und das Hotel hat eine nette Bar. Der Copacabana-Beach ist einfach ein Betonstrand. Riesige Hochhäuser, viel zu viele Menschen. Und außerdem ist es auch lange nicht so sicher wie Ipanema.
Und da kommen wir auch schon zum größten Nachteil an Rio. Die Sicherheit. Man hört ja immer schlimme Geschichten. Und die Presse stellt Dinge natürlich gerne schlimmer dar, als sie eigentlich sind. Aber ich habe jetzt schon von zwei Leuten gehört, dass sie ausgeraubt wurden. Einer wurde mit einer abgeschlagenen Flasche bedroht. Und dann ist alles was man so mithatte weg. Im besten Falle. Wenn man aber weiß wo man sicher ist, und dass man keine Wertgegenstände mit sich herumtragen sollte, kann einem nicht so viel passieren. Allerdings nervt es mich, dass man sich damit überhaupt auseinander setzen muss. Ich trage hier nur das nötigste Bargeld mit mir rum, trage keine Uhr, kein Handy, kein Cap, keine Bankkarten.. das schränkt einen schon ein. So frei wie in allen anderen Ländern, wo ich bisher war, fühle ich mich hier nicht. Zum Glück ist Ipanema recht sicher. Hier würde ich sogar mit meiner großen Kamera alleine am Strand rumlaufen. Tagsüber natürlich ;)
Aber nun zum Karneval. Der Grund warum die ganzen Leute überhaupt hier sind. Eigentlich läuft das ähnlich wie in Deutschland ab. Es gibt diese offiziellen Paraden. Die sind am Sonntag und Montag. Allerdings gibt es hier auch eine richtige Jury und die Wagen und die Tänzer fahren durch ein längliches Stadion. Nicht durch die Straßen. Neben diesen Paraden gibt es überall in der Stadt Partys auf den Straßen. Das hat so ein bisschen Loveparade-Charakter. Allerdings in klein und mit Samba Beats. Manchmal haben die einen Wagen mit Lautsprechern, manchmal trommeln einfach nur ein paar Leute und die Brasilianer drehen durch, bewegen ihren Hintern in einer unglaublichen Geschwindigkeit und singen irgendwelche Lieder. Samstag und Sonntag war ich auf solchen Partys. Am Montag war ich auf der offiziellen Parade. Allerdings ärgere ich mich etwas darüber, dass ich die Karten im Hostel gekauft habe. Denn die Sicht war nicht besonders gut. Und ich wäre schon gerne ganz nah dran gewesen. Aber alleine das mal gesehen zu haben war schon die Reise wert. Unglaublich welchen Aufwand jede einzelne Sambaschule für diesen 1 bis 1,5 stündigen Auftritt treibt. Was auch lustig ist, dass jede Schule nur einen Song hat. Und der wird dann 1,5 Stunden gespielt. Am Anfang findet man den Song nicht so besonders toll. Aber er wird immer besser. Man muss sich ja sonst in Songs auch erst reinhören bevor sie richtig Spass bringen. So machen die das auch. Zum Schluss singen alle mit.
Was allerdings echt doof ist, dass ich mich bisher kaum getraut habe meine Große bzw. überhaupt eine Kamera abends mitzunehmen. Daher habe ich auch nicht so richtig viele und spektakuläre Fotos machen können. Aber es ist schon echt eine Erfahrung zum Karneval in Rio gewesen zu sein. Allerdings sind viele hier im Hostel auch ein bisschen enttäuscht. Aber das ist ja auch normal. Wenn jeder vom Karneval in Rio hört und die Medien das pushen, dann ist die Erwartungshaltung ja auch dementsprechend hoch. Und umso schneller wird man dann auch enttäuscht. Enttäuscht bin ich nicht. Das ist schon krass was hier abgeht. Und die Brasilianer wissen schon wie man richtig feiert.
Ich bin eigentlich nur von einer Sache ein wenig enttäuscht. Und zwar von den Brasilianerinnen. Da hört man auf der ganzen Welt, dass es hier die hübschesten Mädels der Welt gibt. Wirklich jeder sagt das. Und dann gehe ich die Copacabana rauf und runter und ich sehe bestimmt 90% übergewichtige Frauen. Und von den verbleibenden 10% sieht die Hälfte einfach nicht gut aus. Also ganz ehrlich. Das war kein schöner Anblick. Und bisher habe ich (nach sechs Tagen) vielleicht zwei oder drei hübsche gesehen. Na ja, ich frage mich wie viele von den Leuten, die das behauptet haben, wohl schon mal hier waren? Also in Argentinien habe ich mehr schöne Mädels gesehen. Jedenfalls ist die Hübschheitsqoute hier nicht höher als in anderen Ländern. Und da hält Deutschland und auch England locker mit. Skandinavien sowieso. Aber das ist ja eh eine total oberflächliche Diskussion hier. Vielleicht steckt die Schönheit ja im Inneren. Nur kann ich das, mit meinen nicht vorhandenen Portugiesisch Kenntnissen, nicht herausfinden. Das ist eh Schade, dass man ohne Portugiesisch zu können, kaum mit den Leuten reden kann.
Jedenfalls ist es eine Erfahrung wert hier mit den Brasilianern Karneval zu feiern. Nach vier Tagen Feierei bin ich allerdings auch etwas Müde. Müde vom Feiern und davon immer Leute um einen herum zu haben. Letzte Nacht habe ich fast gar nicht gepennt, da dieser Typ von den Fiji-Inseln so laut geschnarcht hat. Abwechselnd haben wir Sachen auf ihn geworfen. Aber das hielt immer nur so 10 Minuten. Dann ging es wieder los. Er wird hier auch schon „The Machine“ genannt. Denn so einen lauten Schnarcher habt ihr noch nicht gehört. Morgen fliegt er endlich auf seine Insel zurück. Eigentlich auch Schade, denn er ist ein total lustiger Typ. Nur nachts halt nicht. Irgendwie komme ich mir manchmal wie auf einer Klassenreise vor. Dieses Mehrbettzimmer-Pennen hat so ein bisschen diesen Charme. Halt mit Erwachsenen Menschen.
Tagsüber macht man hier irgendwelche Daytrips. Ein Besuch in den Slums. Mit einem Guide und einer Art Friendspakt. Oder Hanggliden. Dazu aber mehr in einem eigenen Eintrag.
|
 |
 |
| Der bekannteste Strand der Welt. |
 |
 |
| Rio. Links: Copacabana. Rechts: Stadt. |
 |
 |
| Jesus auf dem Hügel. |
 |
 |
| Copacabana in Action. |
 |
 |
| Karneval Beachparty. |
 |
 |
| Mittendrin. |
 |
 |
| Und ihr Partypublikum. |
 |
 |
| Beachparty: Später. |
 |
 |
| Henry ist vom Samba-Teufel besessen. |
 |
 |
| Mein Hostel. |
 |
 |
| Ein paar Roommates. |
 |
 |
| Die Parade ohne Teleobjektiv. |
 |
 |
| Dafür mit Weitwinkel. |
 |
|